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Vipassana - Die Königsmethode der Meditation

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BeitragVerfasst am: 12.11.2007, 11:58    Titel: Vipassana - Die Königsmethode der Meditation
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Eberhard
 


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BeitragVerfasst am: 12.11.2007, 11:58    Titel: Vipassana - Die Königsmethode der Meditation

Vipassana - Die Königsmethode der Meditation

Buddha Shakyamuni

Buddha suchte sich selber. Er war nicht zufrieden und sehnte sich nach Zufriedenheit. Er sah sich mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert und strebte nach Erlösung. Er fand sie in einer Meditations-Methode, die man heute auch Vipassana nennt. Der Mann hieß Siddharta Gautama und nannte sich nach seiner Erleuchtung, Buddha, der Erwachte. Er hatte seinen Geist von einem teilweise bewussten Zustand in einen anhaltenden bewussten Zustand transformiert. Er hatte viele Jahre verschiedene spirituelle Schulen und Methoden seiner Zeit praktiziert, doch erst in Vipassana ist er "erwacht". Man kann sie nicht nur deshalb als Königsmethode der Meditation bezeichnen. Ein anderer Grund ist, dass sie alleine genügt, um zu klarer Einsicht und Geistessruhe zu gelangen.

Was ist Vipassana?

Der Ausdruck wird traditionell mit "Hellblick" übersetzt. Ayya Khema, die große deutsche, vor ein paar Jahren verstorbene, buddhistische Nonne, nennt ihn auch "Gefühlsbetrachtung", letztlich ist es eine vielschichtige Methode. Vereinfacht kann man sie auch als "Arbeit am Selbst" bezeichnen. Durch sie kann man das volle menschliche Potential in sich entwickeln. Obwohl es die "Arbeit am Selbst" schon in der Antike gab, ist es eine erstaunliche Tatsache, dass diese methodische Übung des eigenen Geistes über mehr als 2.000 Jahre im Westen völlig unbekannt geblieben ist.

Es hatten sich zwar auch christliche Mönche nach innen versenkt, sei es im Gebet oder in der Kontemplation und mit Freud wurde im Westen eine eigene Methode entwickelt, um sich bewusst mit dem eigenen Geist zu beschäftigen – Meditation war aber über Jahrtausende unbekannt. Reisende und Missionare waren zwar immer wieder mit ihr in Berührung gekommen, hatten aber einerseits nicht ihren Wert erkannt und andererseits sie als zu schwierig empfunden. Aber auch Menschen im Westen können die Erfahrungen des Buddha wieder machen.

Vipassana – die Methode

Man sitzt im Schneidersitz am Boden oder auf einem Sessel, die Haltung ist bequem, jedoch nicht angelehnt, die Augen sind geschlossen oder halboffen, die Aufmerksamkeit wird auf den Atem gerichtet. Einfach nur so, man kann ihn aber auch zählen oder "mitdenken" oder man fühlt die Luft, wie sie an den Innenwänden der Nase streicht, es gibt viele Möglichkeiten und das alles ist am Anfang nicht so wichtig.

Schon nach kurzer Zeit werden sich Ablenkungen einstellen, Geräusche, Gedanken, Sorgen, ein inneres Universum an Gefühlen und Widerständen werden auftauchen. So bald man sie bewusst erkennt, stellt man bei sich fest, dass sie da sind, sonst nichts – und kehrt zurück zum Atem. Und wird dann – meist ziemlich rasch – wieder abgleitet. Nach dem Sitzen (ca. 25 – 60 min.) kommt die Gehmeditation. Nach und nach stellt sich Ruhe und Gelassenheit ein, erst in der Meditation, später auch im Leben.

Erklärungsmodell

In der "Lehre von der bedingten Entstehung" hat der Buddha beschrieben, wie jede Sinneswahrnehmung, also jeder Seh-, Hör-, Geschmacks-, Riech-, Tastendruck und jeder Gedanke ein unterschiedliches Gefühl in Körper und im Geist bedingt. Da wir ständig mit unseren Sinnen in Kontakt zur Umwelt sind, führt das zu einem Bombardement von Gefühlen. Mit "Gefühlen" sind nicht die komplexen Emotionen, wie Ärger, Neid, Wut, Freundschaft, Hilfsbereitschaft, etc. gemeint, sondern lediglich die 3 Gefühlsqualitäten, die man im Körper fühlen kann: angenehm, unangenehm und neutral.

Angenehmes will ich wieder haben und unangenehmes loswerden. So bedingen diese drei Gefühle immer wieder die Reaktionen von Ablehnung und Begehren. Das nennt der Buddha Samsara, den Kreislauf der immer wieder kehrenden gleichen Handlungen und Abläufe im Leben. In der Meditation verlangsamen sich die Sinneseindrücke und das Denken und man kann die Zusammenhänge zwischen Sinneswahrnehmungen und den daraus bedingten Reaktionen besser verstehen und sich aus dieser Bedingtheit lösen.

In Vipassana kommt es zusätzlich zu den Vertiefungen zur Verlangsamung der Gedanken. Zusätzlich wird die "Untersuchung", eine Art Analyse der Geistprozesse möglich. Widerstände gegen das Erkennen, werden bewusst und können fallen gelassen werden. Irgendwann kommt es zu "Hellblicksmomenten", dem sekundenhaften "dazwischenblicken" auf verborgenen Strukturen. Was ist verborgen? Psychologisch ausgedrückt, alles, was uns nicht bewusst ist.

Auf der persönlichen Ebene können das die Gründe (Ursachen) für Eifersucht, Zorn, Hass sein, man kann rassistische Gedanken in sich entdecken, verborgene Wünsche und Begierden. Die Aufforderung des "Mensch, erkenne dich selbst!" ist nicht einfach. Im Hellblick des Vipassana wird es möglich. Jenseits der persönlichen Strukturen kommt es zur Erkenntnis der "Daseinsgrundlagen", der "Vergänglichkeit", "Leidhaftigkeit" und "Substanzlosigkeit" aller Dinge. Entweder als klares intellektuelles Verstehen oder als unmittelbare Erkenntnis. Sie werden als "Fruchtmomente der Übung" bezeichnet und sind dem Sartori-Erlebnis (Erleuchtungsmomente) des Zen vergleichbar.
Außerdem kommt es durch die lange Übung des Sitzens, bei der anfänglich immer Schmerzen und Spannungen in Körper und im Geist auftreten, nicht nur zu einer Ausgewogenheit (Läuterung) des (grobstofflichen) Körpers (Lösung von lang dauernden Verspannungen in den Skelettmuskeln, Faszien (Faszien sind zähe Bindegewebshäute, die flächig weite Teile des Körpers verbinden), Gelenkskapseln, der autochthonen (alteingesessen) Muskulatur, etc) sondern auch zu einer Reinigung (Läuterung) des feinstofflichen Körpers (des Energiekörpers und der Emotionen). Diese psychophysische Reinigung ist auch (aus dem indischen Yoga) als Kundaliniprozess bekannt.

Antwort häufig gestellten Fragen:

F: Wie kann man Vipassana lernen?
A: Durch (jahrelange) Übung. Man braucht dafür, nicht ständig, aber immer wieder, einen erfahrenen Lehrer.

F: Können die auftretenden Schmerzen und das Einschlafen der Beine gefährlich sein?
A: Nein. Im Gegenteil, man kommt durch sie zu einer inneren Ausgewogenheit und Entspannung

F: Was sind die Vertiefungen
A: Vertiefungen sind Bewusstseinstufen, die in der Meditation bei allen Menschen immer wieder in der gleichen Weise auftreten. In ihnen kommt es zu einer Stabilisierung des Geistes, bzw. durch einen stabilen Geist entstehen sie erst. Die Vertiefungen werden von Ayya Khema als 1. Verzückung, 2. Freude, 3. Ruhe und 4. Friede bezeichnet. Sie haben mit den gleichnamigen Zuständen, die wir aus dem Leben kennen, nicht viel zu tun, sie sind intensiver. Im "Frieden", der "vollen Sammlung" des Geistes (Samadhi) wird kaum noch geatmet und der Geist ist völlig ruhig, kein Gedanke ist da.

F: Was versteht man unter Hemmungen?
A: Hemmungen sind Schwierigkeiten, die sich in der Meditation einstellen. Traditionell werden 5 beschrieben: 1. Müdigkeit und Mattigkeit, 2. Unruhe, 3. Zweifel, 4. Ablehnung, 5. sinnliches Begehren. Sie treten anfänglich bei allen Meditierenden auf. Letztlich sind sie nichts anders, als jene Probleme, die uns auch im Leben immer wieder begegnen und uns daran hindern, fröhliches und ausgeglichen zu sein. In der Meditation kann man sie sich bewusst machen, sie "untersuchen" und loslassen. Danach wird es einfacher – am Sitzpolster und im Leben.
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