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Die zwölfgliedrige Kausalitätskette

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BeitragVerfasst am: 12.11.2007, 16:32    Titel: Die zwölfgliedrige Kausalitätskette
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Eberhard
 


Anmeldedatum: 14.08.2007
Beiträge: 952

BeitragVerfasst am: 12.11.2007, 16:32    Titel: Die zwölfgliedrige Kausalitätskette

Die zwölfgliedrige Kausalitätskette

Die Erkenntnis dieser Kausalitätsreihe bedeutet die Aufhebung jeglichen Realitätsbewußtseins und den Durchbruch zur Welt der Idealität des Daseins, indem nun alles, was ist, nicht mehr an sich und real ist, sondern nur dadurch, daß es durch etwas anderes ist, ohne das es nicht wäre. Buddha ist einer der größten Ursachenforscher aller Zeiten gewesen, und er hat zugleich in den letzten Grund der Möglichkeit aller Ursachenforschung geblickt, die darin besteht, daß dieses Erkenntnisprinzip der Kausalität ein für allemal das Prinzip der Substantialität aus den Angeln gehoben hat. Damit ist alles ontologische (erkenntnistheoretische) Philosophieren, insofern es realitätshungrig ist, in Wahrheit unmöglich geworden; d. h.: an die Stelle eines dogmatischen Philosophierens ist das kritische Philosophieren getreten, das seinerseits alles andere als ein bloß skeptisches Philosophieren bedeutet, weil es im Gegensatz zu allem zweifelnden Reflektieren als ein in sich zutiefst verwurzeltes reines Philosophieren lehrbar ist, in dem Sinne, daß es zwar nicht transzendente ewige und zeitlose Wahrheiten lehrt, wohl aber jene transzendentale Wahrheit der Zeit selbst verkündet, daß alles, was besteht, wert ist, zugrunde geht. Von hier aus bedeutet der Durchbruch zur erlösenden Erkenntnis die Vernichtung allen dogmatischen ontologischen Philosophierens durch das Kausalprinzip der kritischen Idealität und damit die Erlösung aller Realität durch die Idealität, die nun ihrerseits die einzig gerechtfertigte Substantialität darstellt, so daß der Satz gilt: Das Wesen der Substantialität besteht in der Kausalität, und diese Kausalität macht die einzige Substantialität des Daseins aus.

Die Kausalitätsreihe, die der Bodhisattva in der Erkenntnisnacht rückwärts und vorwärts, in der Setzung und in der Aufhebung, durchläuft, besteht in ihrer endgültigen Fassung aus zwölf Gliedern, weshalb sie auch die zwölfgliedrige Kausalitätskette genannt wird. Das erste Glied dieser Kette, von dem der Bodhisattva in der dritten Nachtwache der heiligen Erkenntnisnacht ausging, stellt das Resultat seiner drei ersten ihn zutiefst erschütternden Ausfahrten dar: Alter, Krankheit und Tod, kurz zusammengefaßt: Alter und Tod als die eigentlichen Hauptformen allen Leidens. Bei diesem Ausgangsglied setzt der Hebel der Ursachenforschung an, indem der Bodhisattva fragt: Welches ist die Ursache dafür, daß es Alter, Krankheit und Tod in dieser Weit gibt? Die Antwort lautet: Geburt ist die Ursache dafür, daß es Alter, Krankheit und Tod in dieser Welt gibt; gäbe es keine Geburt in dieser Welt, gäbe es auch nicht Alter, Krankheit und Tod. Die Geburt ist also das zweite Glied der Kette. Der Bodhisattva, dieser geborene Ursachenforscher - alle Forschung ist ihrem Wesen nach Ursachen- und Grundforschung -, fragt weiter: Welches ist die Ursache dafür, daß es Geburt in dieser Welt gibt? Die Antwort lautet: Das Werden im allgemeinen ist die Ursache dafür, daß es Geburt im besonderen in dieser Welt gibt. Dieses Werden bildet das dritte Glied der Kette der Bedingtheiten. Doch der Bodhisattva begnügt sich auch damit nicht, sondern fragt weiter: Welches ist die Ursache dafür, daß es Werden überhaupt gibt? Die Antwort lautet: Die Ursache dafür, daß es Werden überhaupt in der Welt gibt, ist in den fünf Kategorien des erscheinungsweltlichen Auffassens zu erkennen, und zwar sind es die uns bereits bekannten Kategorien: 1. Gestalt, 2. Gefühl, 3. Bewußtsein, 4. Phantasievorstellungen überhaupt und 5. Wahrnehmung. Das Bewußtsein bildet die zentrale Mitte dieser Kategorien, denn ohne Bewußtsein gäbe es gar keine Welt für uns, aber auch nicht ohne Gestaltensonderung und ohne Empfindung durch das Gefühl einerseits und ohne Phantasievorstellung überhaupt und ohne Wahrnehmung im besonderen andererseits.

Vier dieser Kategorien kommen dann auch noch einmal als gesonderte Glieder der Kausalitätskette vor, so daß für das vierte Glied der Kette als besonders wesentlich die zentrale Kategorie des Bewußtseins überhaupt anzusehen ist, ohne das es gar keine Welt für uns gäbe. Der Bodhisattva fragt dann aber weiter: Welches ist die Ursache für jene fünf Kategorien des erscheinungsweltlichen Auffassens? Die Antwort lautet: Das ist der Durst, der blinde Drang des Willens zum Leben, wie Schopenhauer sagt: dieser Durst als fünftes Glied der Kette ist eine der Hauptursachen allen Leidens. Der Bodhisattva fragt weiter: Welches ist die Ursache für diesen Durst?, und die Antwort lautet: das Gefühl, denn ohne das Gefühl gäbe es auch keinen Durst. Das Gefühl ist das sechste Glied in der zwölfgliedrigen Kausalitätskette. Welches ist aber die Ursache für dieses Gefühl? Die Antwort lautet: die Berührung ; sie ist das siebente Glied in der Kette der Bedingtheit.

Welches ist die Ursache für die Berührung? Diese Ursache ist in dem Sechssinnenreich (die fünf Sinne und der Verstand als sechster Sinn) zu erkennen, das das achte Glied der Kette ausmacht. Welches ist die Ursache für dieses sechssinnenreich? Die Antwort lautet: Name und Gestalt, das neunte Glied in der Kette. (Aus Name und Gestalt folgt die Berührung, des Verstandes und der Sinne. Aus der Wahrnehmung folgt Name und Verstand. Name und Verstand bin ich also selber als Person. Buddha spricht mit Bezug auf das Glied "Name und Gestalt" der Kausalitätsreihe zu Ananda: "Ananda, wenn die Wahrnehmung nicht in den Mutterleib eindränge, würde dann wohl Name und Gestalt im Mutterleib zustandekommen?") Welches ist die Ursache für Name und Gestalt? Antwort: Die Wahrnehmung, das zehnte Glied in der Kette der Bedingtheiten. Welches ist die Ursache für die Wahrnehmung? Antwort: Das sind die Phantasievorstellungen, von denen die Wahrnehmungen eine bestimmte Art darstellen, diejenige nämlich, welche sich auf angebliche Realität bezieht. Die Phantasievorstellungen bilden das elfte Glied der Kette; und nun erhebt sich für den Bodhisattva die letzte Frage. Welches ist die Ursache für alle diese Phantasievorstellungen überhaupt? Die Antwort lautet: Die Ursache für diese Phantasievorstellungen liegt in dem Nichtwissen.

Dieses Nichtwissen bildet die letzte Ursache (das zwölfte Glied in der Kette) von allem, was überhaupt ist und somit auch die letzte Ursache dafür, daß es das in dieser Welt gibt, von dem in der zwölfgliedrigen Kausalitätskette ausgegangen wurde: Alter, Krankheit und Tod. Das Nichtwissen aber wovon? Antwort: Das Nichtwissen von der Irrealität dieser ganzen Erscheinungswelt, das Nichtwissen davon, daß alle Dinge, die uns umgeben, und auch wir selbst, in Wahrheit gar nicht an sich und real sind, sondern daß alles, was ist, nur durch ein anderes ist, ohne welches es gar nicht das wäre, was es ist, und also alles nur Erscheinung ist.

Die zwölfgliedrige Kausalitätskette:

1. Alter, Krankheit, Tod
2. Geburt
3. das Werden
4. Erscheinungsweltl. Auffassen: 1. Gestalt, 2. Gefühl, 3. Bewußtsein, 4. Phantasie 5. Wahrnehmung
5. Drang (Durst) des Willens zum Leben
6. Gefühl
7. Berührung
8. Sechssinnenreich (die fünf Sinne und der Verstand als sechster Sinn)
9. Name und Gestalt
10. Wahrnehmung
11. Phantasie
12. Nichtwissen
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